Wie immer leben unsere Beiträge, meine sehr geehrten Damen und Herren, von der gelebten Praxis. Die Unternehmerin und der Unternehmer unter Ihnen dürften sicherlich ein Thema permanent auf dem Tisch liegen haben. Wo bekomme ich ausreichend qualifiziertes Personal für mein Unternehmen her? Seien Sie versichert: Diese Fragestellung betrifft eine steuerberatende Kanzlei genauso.
Wir können in letzter Zeit verstärkt feststellen, dass die Kanzleien sehr unterschiedlich diese Fragestellung für sich beantworten.
Das Antwortspektrum reicht von einer Einschränkung der Serviceleistungen über das Ausloben von Werbeprämien für neue Mitarbeitende bis hin zur aktiven Kündigung von unliebsamen Mandanten.
Eines ist jedoch sicher: Eine für sich passende Kanzlei zu finden, die Ihrem Unternehmen auch einen entsprechenden Mehrwert bringt und nicht nur die reine Buchführungstätigkeit abarbeitet, wird eine immer größere Herausforderung. Mal schnell und kurz geht gar nicht.
Sechs Tipps, wie Sie das passende Steuerbüro finden können:
- Recherchieren Sie mit einem langen Vorlauf, welche steuerliche Begleitung zu Ihrem Unternehmen passen könnte.
- Befragen Sie hierzu auch aktiv ausgewählte Geschäftspartner sowie Ihre Hausbank nach ihren persönlichen Erfahrungen mit konkreten Kanzleien. Die räumliche Entfernung der Kanzlei sollte heute im Zeitalter der Digitalisierung kein ausschlaggebendes Argument mehr sein.
- Stellen Sie ein aussagekräftiges Unternehmensprofil zusammen, welches speziell auf eine steuerberatende Kanzlei zugeschnitten ist.
Dieses Profil sollte insbesondere all die Punkte beinhalten, die für eine potenzielle Mandatsübernahme aus Sicht der Kanzlei von Interesse sein könnten:
- Wie ist die Buchhaltung in Ihrem Hause organisiert und wer führt die Buchungstätigkeiten aus?
- Wie viele Buchungen pro Monat fallen im Schnitt an?
- Welche Software wird aktuell für die Buchführung verwendet?
- Welcher Kontenrahmen der Summen- und Saldenliste wird zurzeit verwendet?
- Soll auch die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung übernommen werden? Wenn ja: Welche vorbereitenden Tätigkeiten können von Ihnen ausgeführt werden? Für wie viele Mitarbeitende wären die Löhne dann zu buchen?
- Wünschen Sie auch die Übernahme des privaten Bereichs?
- Zeigen Sie auf, in welchen Bereichen Ihr Unternehmen bereits digital – bezogen auf die Buchhaltung – aufgestellt ist.
Je stärker Sie heute bereits einen digitalen Datentransfer der neuen Kanzlei anbieten können, um so aussichtsreicher dürfte es auch sein, einen neuen steuerlichen Partner zu finden.
- Bereiten Sie – analog zu einer Bewerbung – ein auf die neue Kanzlei zugeschnittenes Anschreiben vor, welches auch an einen konkreten Ansprechpartner adressiert sein sollte.
- In diesem Anschreiben sollten Sie auf wesentliche Anlagen verweisen, die Sie beifügen. Unabhängig davon sollten die Eckdaten Ihres Unternehmens (Gesamtleistung im letzten Jahr, Anzahl der Mitarbeitenden, Ertragssituation, Stand der Buchführung usw.) bereits aus diesem Schreiben hervorgehen.
- Stellen Sie heraus, warum Sie gerade diese Kanzlei angeschrieben haben. Im optimalen Fall können Sie bereits auf eine konkrete Referenz verweisen, die mit dieser Kanzlei bereits sehr gute Erfahrungen sammeln konnte.
- Hinterlassen Sie aussagekräftige Kontaktdaten (Vorname, Nachname, Mailanschrift sowie Telefonnummer). Sofern Sie schwer zu erreichen sind, nehmen Sie auch einen Passus auf, in dem Sie aktiv ggf. darum bitten, auch eine Nachricht auf Ihrem Anrufbeantworter zu hinterlassen.
Grundsätzlich gilt: Je persönlicher Sie der potenziellen Kanzlei vermitteln, dass gerade Ihr Unternehmen ein Mandant ist, der alles auf eine reibungslose und für beide Seiten vorteilhafte Geschäftsbeziehung setzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von der angeschriebenen Kanzlei auch bzgl. eines Vorstellungstermines eingeladen werden. Damit wäre dann die erste Hürde bereits genommen.


