In letzter Zeit sind die Insolvenzen wieder stark gestiegen. Jedes Schlechte hat auch sein Gutes.
Tiefgreifende Analysen zeigen, dass ein Teil der in Insolvenz gegangenen Unternehmen Zombie-Unternehmen war, die nur durch starke Liquiditätsquellen so lange überleben konnten.
Der Begriff Zombie-Unternehmen hat nichts mit Voodoo-Zauber zu tun. Der Begriff bezeichnet stark verschuldete Unternehmen, die es immer wieder geschafft haben, dank weiterer, günstiger Kreditierungen alte Löcher zu stopfen.
Einmal mehr galt bzw. gilt: So lange Liquiditätsquellen erschlossen werden können und/oder die Hausbank ein Unternehmen kreditiert, überlebt das Unternehmen immer. Die Sinnhaftigkeitsfrage: Die stellt sich hier sicherlich.
Auch das sehr geringe Zinsniveau der letzten Jahre war ein Grund für das Entstehen von Zombie-Unternehmen. Bei einer marktadäquaten Bepreisung hätten viele Unternehmen sicherlich die letzten Jahre nicht überbrücken können.
Sie glauben, dass dies eine Randerscheinung der Wirtschaft ist?
Weit gefehlt. „Um die Dimension und Entwicklung beschreiben zu können, hat Kearney für seine umfassende Analyse aller börsennotierten Unternehmen seit der Jahrtausendwende hinsichtlich von Zombie-Merkmalen … untersucht und die Ergebnisse nach Branchen ausgewertet.“ Die Quelle, dieser von Kearney veröffentlichten Studie, haben wir in den Shownotes dieses Podcasts veröffentlicht. Demnach hat sich seit 2010 die Zahl der Zombie-Unternehmen weltweit nahezu verdreifacht. Bestehende Probleme konnten primär aus einer Kombination von günstigen Krediten und staatlichen Hilfsprogramm – insbesondere während der Corona-Pandemie – kaschiert werden. Die entscheidende Frage wurde aber nicht gestellt: Ist das Geschäftsmodell des Unternehmens auch zukunftsfähig bzw. tragfähig?
Aus der Studie konnte entnommen werden, dass lange Zeit in Deutschland lediglich rd. 5 % der Firmen als Zombie-Unternehmen zu quantifizieren waren. Dieser Anteil dürfte in den Jahren 2024 und 2025 deutlich angestiegen sein.
Sie ahnen die Gründe? Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Kombination mit einem höheren Zinsniveau haben sich für manche Unternehmen deutlich verschlechtert. Jetzt zeigt sich erst den Kreditgebern, dass das Geschäftsmodell der Unternehmen (seit Jahren) nicht mehr tragfähig ist bzw. war. Der Kapitaldienst kann folglich nicht mehr erbracht werden.
Kurzfristig sind erhöhte Pleiten sicherlich negativ aufgrund beispielsweise der Verluste von Arbeitsplätzen zu sehen. Mittel- bis langfristig dürfte hierdurch allerdings eine Bereinigung der Wirtschaft eintreten. Denn: Ein hoher Anteil an Zombie-Unternehmen hindert jede Volkswirtschaft daran, eine hohe Produktivität und Innovationskraft zu erzielen.
Für Zombie-Unternehmen gilt: Liquidität ist Trumpf. Daher wird alles darangesetzt, beispielsweise durch das Einkaufen von zu billigen Aufträgen oder aber auch Waren unter Einkaufskonditionen frühzeitig Liquidität zu generieren – beispielsweise über Abschlagszahlungen. Dies hindert zwangsläufig andere Unternehmen, die ihre Leistungen zu auskömmlichen Preisen kalkulieren, diese auch am Markt zu platzieren.
Lassen Sie uns ein Fazit ziehen:
Zombie hin oder Zombie her.
Die Frage, ob das Geschäftsmodell eines Unternehmens dauerhaft zukunftsfähig ist, ist permanent zu stellen und zu bejahen.
Gute Unternehmen zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie sich und ihr Geschäftsmodell permanent hinterfragen und alles daransetzen, durch ein marktadäquates Produkt- und Leistungsspektrum, hohe Qualitätsstandards, motivierte Mitarbeiter, eine hohe Service-Orientierung usw. stets eine dauerhaft gute Ertragslage zu erzielen. Wenn Sie dies beherzigen, dann kann nichts passieren und Sie können die Zombies gerne im Bereich von Voodoo verdammen.


