Fehlzeiten, meine sehr geehrten Damen und Herren, belasten die mittelständischen Unternehmen von Jahr zu Jahr stärker. Dies zeigen diverse Statistiken, die beispielsweise von den gesetzlichen Krankenkassen veröffentlicht werden.
Laut Studie der IKK Classic für das Jahr 2024 liegt der durchschnittliche Krankheitsstand im Handwerk gemessen an Arbeitsunfähigkeitstagen bei fast 26 Tagen pro Mitarbeitenden und Jahr. Zum Vergleich: Die gleiche Studie zeigt, dass dieser Wert im Jahr 2019 bei „lediglich“ 20 Tagen lag.
Der ein oder andere mag denken: Was machen schon die paar mehr Tage aus?
Weit gefehlt. Selbst dann, wenn die Personalkosten weitestgehend bei längeren Ausfallzeiten von den Krankenkassen übernommen werden, so fehlt die Produktivleistung des Mitarbeitenden. Die fehlende Arbeitsleistung muss dann – eine entsprechende Auftragslage vorausgesetzt – von der übrigen Belegschaft, d. h. dem gesamten Team aufgefangen werden. Die Erfahrung zeigt zudem, dass selbst dann, wenn verstärkt auf externe Kräfte wie Leiharbeiter gesetzt wird, die Effizienz des Unternehmens sinkt.
Produktivitätsverluste durch Fehlzeiten
Das folgende, einfache Beispiel soll zeigen, wie viel Wertschöpfung allein durch einen Krankheitstag rechnerisch pro Mitarbeitenden verloren geht.
- Nehmen wir an, Ihr Unternehmen kalkuliert mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 75 €/h. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Arbeitszeit von 7,5 h/Tag resultiert hieraus eine rechnerische Personalleistung, d. h. ein reiner Dienstleistungsumsatz von 562,50 € pro Mitarbeitenden und Jahr.
- Unterstellen wir des Weiteren, dass ein mittelständisches Unternehmen 10 Produktivkräfte beschäftigt hat, so erhöht sich der rechnerische Umsatzausfall bereits auf 10 x 562,50 €, d. h. 5.625 € für die gesamte Belegschaft. Wie gesagt: Der Wert zeigt lediglich den entgangenen rechnerischen Dienstleistungsumsatz bei 10 Mitarbeitenden, wenn sich der Krankheitsstand um einen Tag verändert.
- Laut IKK-Studie sind innerhalb von nur 5 Jahren rd. 6 Ausfalltage pro Mitarbeitenden und Jahr mehr zu beklagen. Für unser angenommenes Beispiel von 10 Mitarbeitenden bedeutet dies 5.625 €/Jahr x 6 zusätzliche Ausfalltage = 33.750 €/Jahr.
Da es sich bei dieser einfachen Betrachtung um einen reinen rechnerischen Dienstleistungsumsatz handelt, bleibt der Kostenblock im Unternehmen nahezu unverändert. Die Konsequenz: Dieser entgangene rechnerische Umsatz fehlt nahezu 1:1 im Ergebnis.
Gründe für den Anstieg des Krankenstandes
Natürlich stellt sich die Frage, warum der Krankenstand so gestiegen ist. Wenn Sie sich hierüber tiefer informieren wollen, so empfehlen wir die Studie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ‚Barometer Arbeitswelt 2025 – Arbeitswelt im Wandel‘. Einen entsprechenden Link hierzu haben wir in der Fußnote abgebildet. Zusammenfassend nennt die Studie folgende wesentliche Ergebnisse für einen erhöhten Anstieg an Arbeitsunfällen und damit Krankenständen:
- Der Druck innerhalb der Unternehmen (beispielsweise aufgrund fehlender Fachkräfte und höherer Herausforderungen in der Branche) nimmt zu.
- Der Stresspegel innerhalb der Belegschaft steigt – Gründe hierfür sind u. a. höherer Zeitdruck, schlechtes Betriebsklima sowie eine sinkende Fehlerkultur.
- Lücken im Arbeitsschutz
Die Studie identifiziert vor diesem Hintergrund insbesondere das Thema Zeitdruck sowie Stress als die zentralen Risiko-Indikatoren.
Wir stellen in unserer Beratungstätigkeit in den letzten Jahren vermehrt fest, dass die emotionale Bindung des Mitarbeitenden an den Arbeitgeber (ein Teil des Unternehmens bin ich) sowie an das Team weiter sinkt.
Lösungsansätze
Die entscheidende Frage ist nun: Was kann ein Unternehmen hiergegen tun? Hierzu 5 ausgewählte Tipps. Welche das sind, dies erfahren Sie in der nächsten Folge.


