Bereits im letzten Beitrag haben wir über die Signa-Pleite des Unternehmers René Benko berichtet. Uns ging es nicht darum, die Einzelheiten der Insolvenz aufzuzeigen. Einige Facetten dieser großen Pleite sind auch bei mittelständischen Unternehmen festzustellen. Wir möchten im zweiten Teil dieses Beitrags ausgewählte Aspekte vorstellen, die auch als Risikoindikatoren bei mittelständischen Unternehmen festzustellen sind.
- Der perfekte Außenauftritt
Ich kann mich noch gut an eine Aussage eines Abteilungsdirektors erinnern, der zu meiner Bankenzeit mein Vorgesetzter war.
Er sagte sinngemäß: Je nobler die Bilanz in Leder und Gold eingebunden ist, desto schlechter sind die Zahlen. Diese Aussage bezog sich sicherlich nicht nur auf die reine Papierform des Jahresabschlusses, sondern vielmehr auf das Auftreten der handelnden Personen.
Bekannte, aber auch schillernde Persönlichkeiten, wie Jürgen Schneider, Manfred Schnieder oder René Benko ist eines gemeinsam: Sie traten opulent auf und blendeten damit die Investoren sowie Gläubige.
René Benko beispielsweise mietete sich bereits zu seinen Anfängen hochwertige Sportwagen Typ Ferrari und Co., um damit bei potenziellen Investoren vorzufahren. Das, was man durchaus als Protz einschätzen kann, wurde in aller Regel als große wirtschaftliche Potenz fehlgedeutet. Ähnliches wird auch von den insolventen Unternehmen Flotex und Schneider berichtet.
Was können wir daraus lernen?
Eine gesunde Bodenständigkeit ist durch nichts zu ersetzen. Dies gilt insbesondere für den Mittelstand.
Erlauben Sie mir abschließend eine These: Muss es unbedingt bei den Großunternehmen krachen, damit wir als Mittelstand wach werden?
Sicherlich nicht.
René Benko und die Signa-Gruppe sind ein extremes Beispiel dafür, wie ein sehr schneller kometenhafter Aufstieg, aber auch ein rasanter Abstieg „gelingen“ kann. Die o. a. Punkte sind leider seit vielen Jahren bewährt. Das muss doch nicht sein, oder?
Top-Unternehmen und deren Geschäftsführer treten seriös auf.
Lassen Sie sich nicht durch zu perfekten Schein blenden. Schauen Sie eher einmal hinter die Fassade.
Unsere Erfahrung: Bodenständigkeit ist großem Protz vorzuziehen.
Dies ist wie mit den Zahlen so. Eine in Gold eingebundene Bilanz ist meistens schlecht.
- Die richtigen Kontakte
René Benko ist es gelungen, durch immer größer werdende Volumina, die er an die Signa-Holding „gedreht“ hat, in immer potentere Investoren- und Bankenkreise vorzudringen. Das führte dann automatisch schon zu einer Bonitätsverbesserung.
Denn wenn Investor A bereits Kapitalanteile bei dem Unternehmen hält und dieser in ausgewählten Kreisen verkehrt, wird das Unternehmen bzw. die handelnden Kreise entsprechend „rumgereicht“.
Nicht, dass Sie dies falsch verstehen. Gute, seröse Kontakte sind wesentlich. Das Wirtschaftsleben kann nur in einem guten Netzwerk funktionieren.
Aber: Oftmals verlassen sich die Kontakte lieber gegenseitig aufeinander. Wenn die Bonität von Bank A oder Investor A geprüft wurde, kann muss der Kunde wohl gut sein.
Dies kann ein Trugschluss sein.
Vielen wird auch der Bauunternehmer Josef Esch noch etwas sagen. Herr Esch war ein einfacher Maurermeister, der es bis in die höchsten Kreise betuchter Investoren geschafft hat. So gründete er beispielsweise 1992 die Oppenheim Esch Holding, die bekannte Bauprojekte wie die Lanxess-Arena oder aber den Neubau der Kölner Messe realisierte. Auch hier sind Parallelen zur Sigma-Pleite und zum Auftritt des Rene‘ Benkos festzustellen.
Was können wir daraus lernen?
Bilden Sie sich stets eine eigene Meinung zu dem Unternehmen, aber auch der handelnden Persönlichkeit unabhängig davon, in welchen Kreisen dieser verkehrt. Die Meinung des Mainstreams, auch in guten anerkannten Kreisen, nicht zu teilen, muss nicht immer schädlich sein. Auch wenn es unbequem ist.
Es war Ihnen bis hier eine Freude, unseren Ausführungen zu folgen? Fein, dann bleiben Sie am Ball. Im nächsten Beitrag werden wir weitere Aspekte zum Thema „Was können wir aus der Signa-Pleite des René Benko lernen?“ darstellen.


