Wir hätten auch nicht gedacht, als wir die ersten Zeilen unserer kleinen Reihe zum Thema „Was können wir aus der Sigma Pleite lernen?“ starteten, uns dies insgesamt vier Beiträge lang beschäftigt. (Dann soll es aber auch gut sein.).
Die wesentlichen Erkenntnisse aus der letzten Folge waren:
- Je mehr Unternehmen involviert sind, desto wichtiger ist eine hohe Transparenz im Rechnungswesen. Zu viele Köche verderben den Brei. Das zeigt sich immer wieder. Oftmals ist die betriebswirtschaftlich notwendige Transparenz nicht gegeben.
- Traue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Dies gilt sowohl für vorläufige Zahlen zu den wirtschaftlichen Verhältnissen, endgültige Jahresabschlussdaten, aber auch Immobilienbewertungen.
Lassen Sie uns unsere Reihe mit einem letzten, sechsten Aspekt abschließen.
- Unsaubere Vermögensübertragungen
Die sich im Trendablauf negativ entwickelnden wirtschaftlichen Verhältnisse können zu einem Kreativitätsschub bei den Kapitaleignern in der Weise führen, dass die Idee reift: Wenn es knallen sollte, dann bitte nicht oder nur zum Teil bei mir, sondern primär bei den Gläubigern.
Es wird weniger Zeit darin investiert, das Unternehmen zu restrukturieren, sondern vielmehr, Restvermögen aus dem Unternehmen in den Privatbereich zu verlagern.
Bei großen Vermögenswerten sind Stiftungen ein beliebtes Mittel hierzu. Die Transaktion wird so geschickt getarnt, dass es bewusst keine wirtschaftlichen Verpflichtungen zwischen dem Unternehmen und der Stiftung gibt. Die Stiftung ist formal selbstständig und autonom in ihren Entscheidungen. Hinter den Kulissen bleiben die Strippen aber fest in der Hand desjenigen, der das Vermögen übertragen hat. Natürlich muss es nicht immer nur die Stiftung sein.
Eine flotte Schenkung, fingierte Rechnungen Dritter, die die Liquidität und den Aufwand des Unternehmens belasten oder auch die Übertragung von später wichtigen immateriellen Gegenständen, wie beispielsweise Patente, Lizenzen oder Marken sind gleichfalls probate Mittel Vermögen zu transferieren. René Benko war auch bei den o. g. Möglichkeiten recht kreativ.
Die größte Verschiebung des Signa-Konzerns bestand sicherlich darin, dass beispielweise bei der Warenhauskette Galeria Kaufhof die Mieten an den Standorten in der Krise nicht reduziert, sondern erhöht wurden. Dadurch konnte Vermögen auf andere Gesellschaften transferiert werden.
Zudem verbesserte sich die wirtschaftliche Situation bei den Betriebsgesellschaften, weil die Arbeitnehmer zu erhebliche Gehaltszugeständnisse „bereit“ waren und der Staat zu einem späteren Zeitpunkt auch Insolvenzausfallgeld bezahlt.
Was können wir daraus lernen?
Die Gefahr der Vermögenübertragung steigt exponentiell zur Verschlechterung der Bonität. Immer wieder konnten wir feststellen, dass beim langsamen Siechtum der mittelständischen Verhältnisse auch in aller Regel die Sorge der Gesellschafter steigt, einen Ausfall zu erleiden. Die Neigung, Vermögen in die Privatsphäre zu verlagern steigt dadurch zwangsläufig. Sind Sie also als Hausbank und Gläubiger besonders wachsam, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern.
Lassen Sie uns ein kurzes Fazit ziehen:
Sicherlich gehört die Pleite des Signa-Konzerns zu den traurigen Kapiteln der Wirtschaftsgeschichte. Einmal mehr zeigte sich aber, dass ein perfekter Außenauftritt in Kombination mit einem eloquenten Unternehmer und ein Weiterreichen in den richtigen Kreisen zu einem ungeahnten Aufstieg geführt hat. Die von uns in den letzten Beiträgen angeführten Beispielen sollen eines zeigen: Dies betrifft nicht nur große Konzerne, sondern auch mittelständische Unternehmen.
Eine gesunde Skepsis gepaart mit einem guten Menschenverstand kann nie schädlich sein. Im Zweifelsfall ist ein klares Nein besser als ein Ja mit Bauchschmerzen. Diese Aussage gilt sowohl für Investoren/Kapitaleigner und Unternehmer, aber auch für die Kreditgeber gleichermaßen.


