Heute möchten wir uns erneut dem Thema Bilanzkennzahlen widmen. Im Fokus dieses Beitrags steht der sogenannte Return on Investment (ROI). Um eines vorweg klarzustellen: Es geht uns heute um Bilanzkennzahlen und nicht um Investitionsrechnung. Dort wird der ROI gleichsam auch verwendet.
Bei dem ROI handelt es sich um eine Renditekennzahl, die eine Aussage zur Verzinslichkeit des eingesetzten Kapitals geben soll.
Lassen Sie uns kurz wieder einmal in den Jahresabschluss eines Unternehmens schauen. Die Aktivseite stellt bekanntermaßen das Vermögen des Unternehmens dar, die Passivseite die Verbindlichkeiten sowie das Eigenkapital.
Der ROI geht davon aus, dass sich das investierte Kapital eines Unternehmens aus den Aktiva ablesen lässt.

Diese setzt sich aus dem langfristigen Kapital (Anlagevermögen) sowie dem kurzfristigen Kapital (Umlaufvermögen) zusammen. Sofern ein Unternehmen kein Negativkapital ausweist, so ist das Gesamtkapital pragmatisch mit der Bilanzsumme gleichzusetzen.
Den Gewinn, den ein Unternehmen in einer Periode erwirtschaftet hat, zeigt sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung. Vereinfacht ist der Gewinn mit dem Jahresüberschuss gleichzusetzen.

Der in der GuV ausgewiesen Erfolg (Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag) stellt das Ergebnis aber nach Steuern dar.
Der ROI würde sich wie folgt berechnen.

Ziel vieler Kennzahlen ist es, ein Ergebnis unabhängig von der tatsächlichen Steuerbelastung auszuweisen. Der in der GuV ausgewiesen Erfolg (Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag) stellt das Ergebnis aber nach Steuern dar.
Dieser Logik folgend wird der ROI nicht mit dem Jahresüberschuss nach Steuern, sondern mit dem Jahresüberschuss vor EE-Steuern berechnet.
Wird der Jahresüberschuss (vor Steuern) in Relation zum Gesamtkapital (d. h. die Bilanzsumme) gesetzt, so ergibt sich die folgende Definition:

Allgemein gilt: Je höher der ROI eines Unternehmens ist, desto renditeträchtiger ist das Unternehmen.
Einmal mehr gilt, dass auch diese Kennzahl stark durch die Bilanzpolitik beeinflusst werden kann.
Wenn ein Unternehmen sich beispielsweise entschließt, vermehrt Anlagegüter zu erwerben und klassisch zu finanzieren, dann steigt die Bilanzsumme und damit das Gesamtkapital. Der ROI sinkt entsprechend.
Unternehmen, die einen Großteil ihrer Investitionen leasen, kommen daher selbst bei einem (im Vergleich Zinsaufwand zzgl. der Abschreibung bei einer Finanzierung) höheren Aufwand für die Leasingraten – bzgl. des ROIs „besser weg“.
Der amerikanische Konzern DuPont hat Anfang der 20er Jahre eine Kennzahlenpyramide entwickelt. Der ROI wird dabei in zwei Komponenten unterteilt.
Auf diese Kennzahlen möchten wir im Folgenden kurz eingehen.
Die Umsatzrentabilität ist eine beliebte GuV-Kennzahl.
Sie sagt aus, wie viel Prozent der Umsatzerlöse als Gewinn erzielt werden. Sofern die EE-Steuern mit berücksichtigt werden, so ergibt sich die Umsatzrentabilität wie folgt:

Auch hier gilt, je höher der prozentuale Wert ist, desto stärker ist die Ertragskraft eines Unternehmens. Wie bei vielen Unternehmen sind auch hier deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen festzustellen.
Sollen die verbuchten EE-Steuern eliminiert (also eine Betrachtung vor EE-Steuern angestrebt) werden, so ergibt sich – analog zum ROI – folgende modifizierte Betrachtung:

Die auf diese Weise ermittelte Kennzahl zeigt die Rentabilität eines Unternehmens unabhängig von der tatsächlichen Steuerbelastung.
Zur Messung der Produktivität eines Unternehmens wird gerne der Gesamtkapitalumschlag herangezogen.
Wie dieser sich definiert, dass erfahren Sie in der nächsten Folge.


