Mit dem heutigen Beitrag möchten wir uns wieder einmal speziell an die Mitarbeitenden und Führungskräfte von Banken und Sparkassen wenden. Lassen Sie mich mit folgender These starten: Modernes Bank-Controlling: Effizienzgewinn oder Verlust des „Gefühls“ für wirtschaftliche Zusammenhänge?
Wir arbeiten heute schneller denn je – aber verstehen wir auch besser?
In den vergangenen Jahren haben wir in Banken und Sparkassen eine enorme Professionalisierung erlebt. Moderne Controlling‑ und Ratingverfahren, automatisierte Datenaufbereitungen, standardisierte Workflows und Tools, die früher ganze Arbeitstage beanspruchten, sind heute in Sekunden verfügbar.
Diese Entwicklung ist zweifellos ein Erfolg. Die Prozesse sind schlanker geworden, Entscheidungen fundierter, interne Abläufe effizienter. Viele der Mitarbeitenden profitieren von klaren Strukturen und einer technikgestützten Arbeitserleichterung.
Und doch stellen wir uns zunehmend eine entscheidende Frage:
Führt mehr Effizienz automatisch zu mehr Qualität – oder verlieren wir schleichend das „Gefühl“ für wirtschaftliche Zusammenhänge?
Die Antwort ist komplex. Denn die Digitalisierung bringt einerseits enorme Vorteile, andererseits aber auch Risiken, die insbesondere in der Kundenbetreuung und Bonitätsanalyse spürbar sind.
Genau hier möchten wir ansetzen.
Die Vorteile moderner Controlling‑Instrumente – ein unbestreitbarer Fortschritt
Moderne Controlling‑Tools und Ratingmodule sind heute fester Bestandteil in Banken und Sparkassen. Sie sorgen dafür, dass wir wirtschaftliche Daten schneller auswerten, Risiken klarer erkennbar machen, Entscheidungen nachvollziehbarer treffen, Vorgaben aus MaRisk, Basel III und interne Prüfungsanforderungen effizient erfüllen.
Der Nutzen für Mitarbeitende und Institute ist groß:
Die Systeme schaffen Struktur, bieten Vergleichbarkeit und geben Sicherheit. Sie erleichtern gerade weniger erfahrenen Mitarbeitenden den Einstieg, indem sie Orientierungspunkte liefern und typische Fehlerquellen reduzieren.
Aber: Das eigene „Gefühl“ für Zahlen geht damit verloren.
So wertvoll diese Instrumente sind, sie bergen auch eine Gefahr:
Je stärker wir uns auf Systeme verlassen, desto mehr besteht das Risiko, dass analytische Kompetenz, betriebswirtschaftliches Verständnis und ganz besonders das „Gefühl“ für den Kunden verloren gehen.
Denn jede gute Bonitätsbeurteilung basiert nicht allein auf Zahlen. Sie beruht auf:
- Verstehen des Geschäftsmodells,
- Einschätzung des Managements,
- Interpretation von „Zwischentönen“,
- Plausibilisierung der Zahlen,
- Blick über den Tellerrand.
Genau dies zeigen zahlreiche Seminare im Programm:
Die in unserem Seminarprogramm aufgeführten Module, insbesondere zur Bilanzanalyse, Kapitaldienstfähigkeit und DATEV‑Interpretation setzen genau hier an. Sie ermöglichen praxisorientierte Transferleistungen.
Allein die Tatsache, dass Themen wie Bilanzpolitik, Fehlstellungen in BWA‑Daten, Verprobungen, unterjährige Zahlenqualität, Erkennen typischer Schwachstellen oder Lesen der „Handschrift“ von Bilanzerstellern so prominent vertreten sind, zeigt, wie wichtig ein tiefes „Bauchgefühl“ bleibt.
Welche Gefahren hieraus für die Beratungsqualität und letztendlich für die Risikopositionen eines Kreditinstitutes hervorgehen und vor allem was hiergegen getan werden kann, das erfahren Sie im nächsten Beitrag.


