Liquiditätsberechnung Teil 1: Kapitalbindung in den Debitoren

Liquiditätsberechnung Teil 1: Kapitalbindung in den Debitoren

Oft werden wir gefragt, wie überschlägig eine Aussage zum voraussichtlichen Kapitalbedarf im Unternehmen oder aber zu möglichen Kapitalfreisetzungseffekten getroffen werden kann. Diese Frage soll in diesem und zwei weiteren Blocks beantwortet werden.

  • Die Debitoren (Forderungen aus Lieferung und Leistung) stellen bei vielen Unternehmen neben den Vorräten den größten „Liquiditätskiller“ innerhalb des Umlaufvermögens dar.
  • Viele Unternehmen denken zudem, dass die Debitoren (d.h. die nicht bezahlten Ausgangsrechnungen) nur ein temporäres Phänomen sind, da die Rechnung ja am Ende des Zahlungsziels bezahlt wird.
  • Betriebswirtschaftlich ist diese Aussage in aller Regel zu negieren, denn:
    • Wenn die alten Rechnungen bezahlt werden, hat das Unternehmen in aller Regel in der Zwischenzeit bereits weitere, neue Rechnungen gestellt.
    • Das Kapital ist damit dauerhaft gebunden und kann eigentlich erst bei Liquidierung des Unternehmens freigesetzt werden.
    • Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, beispielsweise dann, wenn für wenige Tage ein außerordentlich hoher Debitorenbestand besteht.
  • Wenden wir uns im Folgenden einmal dem Normalfall zu. Betriebswirtschaftliche Basis der folgenden Überlegungen ist die Debitorenlaufzeit. Diese wichtige Kennzahl sagt aus, nach wie viel Tagen durchschnittlich mit einem Geldeingang aus der gestellten Faktura gerechnet werden kann. Je kürzer die Debitorenlaufzeit ist, desto besser stellt sich die Liquiditätslage dar und umgekehrt.
  • Aufbauend auf dieser Debitorenlaufzeit kann dann eine rechnerische Kapitalbindung pro Tag ermittelt werden.
    • Mathematisch ist dies der Quotient aus dem Debitorenvolumen / Debitorenlaufzeit.
    • Dieser Quotient sagt aus, dass die Verkürzung der Debitorenlaufzeit um einen Tag in der Zukunft dem Unternehmen einen Liquiditätszufluss in Höhe des ermittelten Betrages ermöglichen könnte, eine Erhöhung der durchschnittlichen Debitorenlaufzeit beispielsweise aufgrund der schlechteren Zahlungsmoral der Kunden in Zukunft aber einen zusätzlichen Kapitalbedarf in der genannten Höhe bedeuten würde.
  • Wenn dieser Quotient ermittelt wurde, kann sehr einfach überschlägig abgeleitet werden, was durch eine Verkürzung oder Verlängerung der Debitorenlaufzeit um X Tage an mehr- oder weniger Liquidität gewonnen oder verloren werden könnte.
  • Fassen wir diese Vorgehensweise einmal in wenigen Schritten zusammen:
  1. Ermitteln Sie zunächst die Debitorenlaufzeit (Debitoren / Umsatzerlöse * 360).
  2. Leiten Sie dann die Kapitalbindung pro Tag
  3. Schätzen Sie beispielsweise im Vergleich zu der Branchenlaufzeit ab, um wieviel Tage die Laufzeit verkürzt werden könnte.
  4. Ermitteln Sie anschließend aus dem Produkt von möglicher Laufzeitverkürzung * Kapitalbindung pro Tag den rechnerisch generierbaren Kapitalbedarf.

Dies soll an folgendem Beispiel verdeutlicht werden. Gehen Sie einmal von einem Debitorenbestand von 1.000T€ und einem Umsatzvolumen von 5.500 T€ aus. Es ergeben sich die folgenden Berechnungen

  1. Debitorenlaufzeit = 1.000 T€ / 5.500 T€ * 360 = 65 Tage
  2. Kapitalbindung / Tag = 1.000 T€ / 65 Tage = 15,4 T€/Tag
  3. Ziellaufzeit: 30 Tage (Annahme) => 65 Tage – 30 Tage = 35 Tage angestrebte kürzere Laufzeit
  4. Möglicher Kapitalfreisetzungseffekt = 35 Tage * 15,4 T€ / Tag = 539 T€

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