Working Capital – Teil 2

In einem der vorangegangen Blogs haben wir die Definition des Working-Capital erläutert:

 

Was sagt diese Differenz nun eigentlich aus?

Die Antwort auf diese Frage sollte zweigeteilt erfolgen.

  • Wählen wir zunächst einmal eine positive Interpretation.

Ein positives, hohes Working Capital bedeutet schlicht, dass ein Unternehmen über mehr kurzfristig liquidierbare Vermögenswerte verfügt, als kurzfristige Verbindlichkeiten vorhanden sind.

Das Working Capital stellt somit rechnerisch eine Art Liquiditätsreserve oder auch „Sparschwein“ dar, aus dem künftig Liquiditätspotenziale generiert werden können.

Diese Aussage setzt aber voraus, dass eine kurzfristige Liquidierung des Umlaufvermögens auch tatsächlich möglich ist.

Das Umlaufvermögen eines Unternehmens besteht in der Regel aus dem Vorratsbestand sowie den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Sollte es tatsächlich möglich sein, diese beiden Positionen zügig zu liquidieren oder aber zu verringern (z. B. durch einen forcierten Abverkauf der Vorräte oder aber ein verbessertes Mahnwesen/höhere Skonto-Anreize), dann bedeutet ein hohes Working Capital eine echte Liquiditätsreserve für das Unternehmen.

Das „Sparschwein“ kann jederzeit geschlachtet werden.

  • Je nach Unternehmenssituation ist ein hohes Working Capital aber auch negativ zu interpretieren.

Zwar bedeutet ein hohes Working Capital eine hohe theoretische Liquiditätsreserve.

Diese kann aber oftmals nicht realisiert werden.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Bei einem Produzenten kann beispielsweise eine zunehmend längere Projektlaufzeit dazu führen, dass die Kapitalbindung in unfertigen und fertigen Erzeugnissen steigt.

Bei einem Händler führt eine Ausweitung des Sortiments in aller Regel dazu, dass eine breitere Produktpalette in den Vorräten bereitgestellt werden muss. Bei den Forderungen kann beispielsweise eine hohe Marktmacht der Abnehmer dazu führen, dass längere Zahlungsziele schlicht verlangt werden.

In diesen, aber auch vielen anderen Fällen ist diese theoretische Liquiditätsreserve nicht realisierbar.

Dies bedeutet dann, dass mit einem zunehmenden Working Capital auch der Liquiditätsbedarf eines Unternehmens steigt.

Ein hohes oder steigendes Working Capital wäre dann negativ zu interpretieren. Für die meisten Unternehmen gilt: Ein kleines bzw. rückläufiges Working Capital deutet eher auf eine Liquiditätsverbesserung hin.

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